Von Social Media und dem Glauben an die Anonymität [Gewinnspiel]


Wenn ich morgens das Handy in die Hand nehme und Facebook öffne, kann ich manchmal nur den Kopf schütteln.
Das Internet und seine angebliche Anonymität.
Ich lese Postings über Bewertungen von Handlungen anderer - allgemein gehalten natürlich, man möchte ja niemanden angreifen.
Postings über das Verhalten anderer in Bus und Bahn.
Über die Dinge, die andere tun, oder nicht tun. Über das, was andere schreiben, oder nicht schreiben.
Nimmt sich raus, in den privaten Bereich anderer Leute einzudringen, über sie zu urteilen, ohne sie wirklich zu kennen, aber man meint es ja nicht so.
Das Internet und seine angebliche Anonymität.
Es gibt einen das Gefühl von Sicherheit, das Gefühl, sich selbst neu erfinden zu können.
Man zeigt Dinge, die man real lieber nicht zeigen würde. Sagt Dinge, die man in der Realität ganz anders formulieren würde, denn die Schnelllebigkeit ist der Teufel in Person. Löschen geht ja auch recht schnell, dass es dann meistens schon zu spät sein kann, dessen sind sich die wenigsten bewusst.

Denn diese Worte können verletzend sein. Wertungen über sich oder Dinge, die man tut, zu lesen, kann nerven, ja, verletzen. Man fragt sich wieso sich jemand rausnimmt, einen direkt oder indirekt dafür zu kritisieren, ohne zu wissen, welchen Stellenwert das Ganze hat.
Vor allem, wenn es um Dinge geht, die einen persönlich betreffen. Beispielsweise das Aussehen.
„Also, Anna? Ich finde ja schon, dass du da extrem viel Haut von dir zeigst und dein Ansatz, den könntest du auch mal nachfärben. Vielleicht probierst du es ein Mal mit einer anderen Farbe? Irgendwie sieht das nicht so schön aus.“ Wann ist das Internet zu einem privaten Raum geworden, in dem man sich rausnehmen kann, Leute vor allem so oberflächlich zu  beurteilen? Mir gefällt meine Haarfarbe und niemandem sonst muss es zusagen. Trotzdem fühlen sich Leute dazu berufen, eben genau das mitzuteilen. Es sähe ja hässlich aus mit dem Ansatz.
Das solche Worte vor den Kopf stoßen können, vergessen die meisten wohl. Man kommt ins Straucheln, denkt darüber nach, auch wenn man es gar nicht möchte. Es sollte einen nicht treffen, denn es sind Wildfremde und doch passiert eben genau das.

Wie muss es also den Mädchen aus „Die Königinnen der Würstchen“ gehen, die zur Wurst des Jahres – zum hässlichsten Mädchen der Schule- gewählt wurden?
Ich denke jeder von uns kennt dieses Gefühl. Das Abschlussjahrbuch mit der Liste voller Fragen, auf die jeder anonym im Netz eine Antwort geben durfte. Die Hübscheste, die Hässlichste, die mit den schönsten Augen (Platz 2…YES..), der mit dem besten Sixpack. Die, die immer zu spät kommt, der, der immer isst.
Oberflächlichkeiten, Nichtigkeiten, die doch die Sichtweise auf einen selbst verändern. Man freut sich, wie ich, wenn man irgendwo erwähnt wird, wenn es positiv ist. Umso betroffener ist man, wenn es etwas Negatives ist. Dinge, die man erst über die Abstimmung erfährt: Hätte besser ein anderes Deo benutzt… zum Beispiel. So etwas ist ein unangenehmes Thema, dem jeder nur zu gerne aus dem Weg geht. Ansprechen? … ähm, lieber nicht. Aber wenn es um die Abstimmung geht, ja da kann ich ja ehrlich sein. Es weiß ja niemand in der Anonymität des Internets, was ich gesagt habe (Meldest du dich irgendwo mit deinem Namen an, ohne das es anonym ist… tia, schade).
Warum nehmen sich Menschen überhaupt raus zu beurteilen was gut und was schlecht ist, was hübsch, oder hässlich? Vor allem in Zeiten des Internets fühlen sich viele sicher. Fühlen sich stark, besonders dann, wenn viele Leute ihnen zustimmen.
Das gerade so etwas die Anderen trifft, ihre Meinungen und Ansichten durcheinander wirft, sie zweifeln lässt an Dingen, die nicht angezweifelt werden sollten, wird dabei gerne außer acht gelassen. Die Meinung anderer beeinflusst die eigene. Auf ein Mal findet man sich wirklich zu dick oder dünn. Zu hässlich oder nicht ansehnlich.
Zu schüchtern, oder zu naiv. Man sollte: Anders sein. Sich verändern, weil die Meinung anderer einem wichtiger ist, als die eigene.
Heimlich still und leise hat sich eben diese Meinung in den eigenen Kopf eingenistet wie ein Parasit und egal wie man es dreht und wendet, alles läuft auf einen Punkt zu. Anders sein.

Besonders im Internet sind viele Dinge schnell gesagt und übermittelt. Ein Hoch auf die Schnelllebigkeit. Und dann, wenn es zu spät ist, merkt manch einer erst, mit welchen Worten er andere kritisiert hat, denn Kritik ist wesentlich leichter auszusprechen, als Lob.
Frag einen Menschen was er an sich mag, wird er Ewigkeiten bauchen. Frag ihn, was er nicht mag: Meinen Bauch, meine Beine, ein wenig mehr Oberweite wäre schön – denn dazu fällt jedem etwas ein.
Und nicht anders ist es bei anderen auch. Kritik an anderen ist einfacher, als positive Dinge hervorzuheben. Fällt man doch mit einer kritischen Meinung viel eher auf, als mit einer positiven. Man kommt schneller auf die negativen Dinge, die man mit einer Person assoziiert, als auf die positiven.
Das Menschen durch diese unüberlegte Kritik verletzt werden können, das ist den wenigsten bewusst, oder sie wissen es, meinen es aber nur gut, oder nicht böse. Phrasen, die nichts von all dem verbessern, was man gesagt hat. "Ist jetzt nicht böse gemeint, oder so. Aber du solltest deine Haare unbedingt wieder färben." Oder "Sorry, was du da trägst betont aber nicht unbedingt deine nicht vorhandenen Kurven." Wahlweise auch: "Nur Hunde spielen mit Knochen. Du solltest unbedingt mehr essen. Du siehst einfach nur dürr aus." Das sind nur einige der Kommentare, die ich mir die Jahre über durchlesen durfte.
Merkt derjenige, dass das taktisch unklug war, wird der Post halt gelöscht. Doch Worte kann man nicht zurücknehmen. Auch nicht mit einem gelöschten Kommentar, oder einem: sorry. Worte bleiben präsent, fressen sich durch die Gedanken und nisten sich dort ein, wo es am meisten weh tut.
So vieles beruht auf Oberflächlichkeiten und besonders im Internet ist dies ja angeblich einfach zu beurteilen. Wir sehen ein Foto, stereotypisieren und katalogisieren, ordnen in Kategorien ein und glauben, einen Menschen zu kennen. Genaugenommen kennen wir nur das, was er möchte, was wir kennen sollen. Jeder erfindet sich im Internet neu. Zeigt nur Dinge, die man zeigen will. Und doch wird anhand dessen gewertet und offen die Meinung gesagt - man ist ja so. Begegnet man manchen dieser Kritiker in echt, sind sie auf ein Mal lammfromm. Internetmoral... oder besser gesagt: Internetidentität lässt grüßen.

Lass doch mal ein wenig anders sein, die positiven Dinge hervorheben, das Leben genießen und ein weniger unabhängig von der Meinung anderer sein.
Ein wenig mehr den Mensch hinter dem Internet kennenlernen und weniger auf die Oberflächlichkeiten und Erzählungen anderer achten.
Lass mal ein wenig mehr hinter uns selbst stehen und weniger hinter der Meinung anderer.
Lass mal ein bisschen weniger werten und ein bisschen mehr auf das eigene Ding konzentrieren und lass uns vor allem diese Oberflächlichkeiten vergessen und den Menschen dahinter kennenlernen.
Denn Worte können verletzen und dessen sollte man sich bewusst sein. Einfach mal in sich gehen und nicht direkt alles raushauen, was an Gedanken im Kopf ist. Nicht alles muss immer direkt im Internet landen und nicht jede Wahl muss mitgemacht werden. Nicht jede Kritik ist angemessen, oder fair.

Lass uns einfach ein bisschen mehr Gedanken darüber machen, was wir mit anderen teilen und lass mal ein bisschen weniger kritisch sein und ein bisschen mehr zu frieden. 


Gewinnspiel

1x Printexempar: Die Königinnen der Würstchen

Beantworte dafür folgende Frage: Was bedeutet Social Media für dich?







Teilnahmebedingungen: Ihr müsst entweder 18 Jahre alt sein oder eine Einverständniserklärung eurer Eltern/Sorgeberechtigten besitzen - Die Teilnehmer erklären sich im Gewinnfall bereit, öffentlich genannt zu werden - Ein Anspruch auf Barauszahlung des Gewinns besteht nicht - Keine Haftung für den Postversand - Versand der Gewinne innerhalb von Deutschland - Der Rechtsweg ist ausgeschlossen - Im Gewinnfall müsst ihr euch innerhalb von 1 Tag melden, ansonsten verfällt der Gewinn! - Das Gewinnspiel läuft vom 31.08.2017 bis zum 04.09.2017 um 23:59 Uhr. - Die Gewinnerbekanntgabe erfolgt innerhalb von zwei Tagen nach Ende des Gewinnspiels auf meinem Blog.

Kommentare

  1. Hallo liebe Anna,

    wirklich tolle Worte, die du bei diesem Thema gefunden hast! Ich glaube nichts ist leichter, als im Internet über andere Menschen zu urteilen, auch wenn man nur die Hälfte der Wahrheit kennt. Auch die Kommentare über das Aussehen durfte ich schon miterleben. Aber das eigentlich mehr im echten Leben als im Internet. Ob das weniger oder mehr schmerzt als im Internet? Nein, beides ist ein Schei* Gefühl.
    Social Media bedeutend für mich einerseits, das teilen zu können, was ich mag. Mich und meine Hobbys nicht verstecken zu müssen. Aber oft auch in einer Art Scheinwelt zu sein. Jeder zeigt was er hat, was er kann, wo er ist. Leute bearbeiten sich, so dass man sie nicht wiedererkennt. Und natürlich, jeder will sich so gut zeigen wie er kann, da nehme ich mich nicht heraus. Aber ob das gesund ist, bezweifle ich.

    Ganz liebe Grüße und einen Daumen hoch für deine Offenheit

    Kathrin :)

    AntwortenLöschen
  2. Liebe Anna,
    ein wunderbarer Beitrag und leider so wahr! Mein neigt viel zu leicht dazu, sich durch Bewertungen auf Social Media beeinflussen zu lassen. Und das Negative bleibt dabei leider viel zu sehr hängen. Manchmal finde ich, machen das schon kleine Formulierungen aus, von denen der andere vielleicht denkt, dass sie harmlos sind.
    Liebe Grüße
    Michi

    AntwortenLöschen
  3. Liebste Fuchsia-Bitch,

    also, ich finde ja, Du hättest diesen Artikel auch ganz anders schreiben können. Viel weniger ehrlich, viel weniger direkt, viel weniger persönlich. Ja, hättest Du ruhig mal machen können.

    Aber ich bin froh, dass Du das nicht gemacht hast. Sondern dass Du einfach frei Schnauze geschrieben hast, was Dir in den Sinn kam. Frei von der Leber weg, offen, ehrlich, direkt - eben genau so, wie Du im echten Leben auch bist. Ich mag so was. Ich mag es, wenn Menschen so sind, wie sie sich geben. Wenn sie sich nicht hinter Bildschirmen und Tastaturen und Profilbildern verstecken. Bei mir sind die Leute oft überrascht, weil ich auch in Echt genau so bin, wie online. Kann man mögen, muss man aber auch nicht.

    Bis spätestens nächste Woche,
    #mimimi und #hashtag,
    La Jess

    AntwortenLöschen
  4. Hallo Anna,

    ein schöner Beitrag zu einem wichtigen Thema. Bei solchen Worten überlege ich immer zuerst "Wann hast du eigentlich zum letzten Mal ein Urteil über einen anderen Menschen gefällt und es ihm in der vermeintlichen Anonymität des Netzes an den Kopf geworfen?". Ich grüble und grüble. Ganz sicher habe ich es auch schon getan, auch wenn ich mich bemühe, genau das nicht zu tun. Weil ich absolut deiner Meinung bin. Worte insbesondere anonyme Worte können verletzen. Aber es geht genauso auch ohne Social Media - das Beispiel vom Abibuch mit der Wahl zur Mrs. Wurst zeigt es ganz deutlich. Das alles ging auch schon vor dem Internet nicht immer ohne Tränen aus. Das Netz hat es jedoch ungleich leichter gemacht, Menschen zu beleidigen. Jeder von uns sollte sich mal überlegen, wie er behandelt werden möchte und dies als Grundsatz für sein eigenes Handeln nehmen. Im Grunde ist es also ganz einfach "Was du nicht willst, das man dir tut..." - gilt auch im Netz!

    Liebe Grüße
    Erin

    AntwortenLöschen
  5. Toller Beitrag Hexe,

    ehrlich und direkt wie es sich gehört und wie ich es so sehr schätze. Wenn man durch das Internet surft denke ich mir ganz oft, "wenn du nichts nettes zu sagen hast dann halte die Klappe!" Wenn dich jemand nach deiner Meinung fragt dann bitte ehrlich ob nett oder nicht so nett. Ich bearbeite meine Bilder und habe kein Problem damit wenn man im real life eben doch diesen einen fiesen Pickel sieht den man nicht einfach weg shoppen kann. Schön wärs ja. :P Und wo zum Teufel zeigst du zu viel Haut? Hast du dich schon nackig gemacht und ich habe es nicht gesehen, schäm dich! Das nächste mal bitte per PN an mich direkt. *hust* Für mich heißt Sozial Media nichts anderes als mein Hobby mit anderen lieben Menschen zu teilen und einen netten Umgang zu pflegen. Verstellen würde ich mich dafür definitiv nicht! Toller Beitrag Liebes :*

    AntwortenLöschen
  6. Liebe Anna,

    vielen Dank fürs Teilen deiner klugen Gedanken. :) Es ist so wichtig, dass wir niemals aufhören, unseren inneren Kompass zu prüfen und im Zweifel neu auszurichten. Gerade weil es so einfach ist, mal eben negativ, fragwürdig oder beleidigend zu sein. Und viel schwieriger, sich ein paar Gedanken mehr zu machen, Empathie zu zeigen und optimistisch zu bleiben.
    Social Media ist für mich übrigens eine Herausforderung :D Ich muss mich zeigen und angreifbar machen, Positionen beziehen und vielleicht auch mal im Unrecht sein. Aber es ist auch ein "Ort" um viele kreative Menschen zu "treffen", Gedanken auszutauschen, sich über Bilder, Artikel und Videos zu freuen. Und im besten Fall darüber mehr man selbst zu werfen, anstatt sich zu verstellen, um der Norm zu genügen.

    Liebe Grüße
    Sarah

    AntwortenLöschen
  7. Hallo Anna!

    Social Media ist für mich vor allem ein Ort des Austausches und der Kommunikation. Einerseits kann man über Facebook, Twitter und Co viele Menschen erreichen und sie so z.B. wissen lassen, dass es einem gut geht (ich denke hier an Momente nach Attentaten) oder auch um im Fall von Vermisstensuchen (bei Tieren und auch Menschen) eine breitere Masse zu erreichen. Gleichzeitig sehe ich aber auch die Entfremdung vom wirklichen sozialen Kontakt mit anderen und auch die Gefahr des Cybermobbings, die durch die Vernetztheit schneller ihre Kreise zieht und wodurch einzelne Menschen von heute auf morgen im Netz fertig gemacht werden können. Auch sind da z.B. bei Facebook die Kommentare derer, die unter dem Deckmantel der vermeintlichen Sicherheit und Anonymität heftige Meinungen verbreiten oder gar beleidigend werden.
    Es ist also irgendwie ein zweischneidiges Schwert, was jedoch zu unserer heutigen medienaffinen Zeit dazu gehört. Für mich sind die Sozialen Medien vor allem ein Ort, über den ich mit Gleichgesinnten in Kontakt trete oder inspiriert werde :)

    Liebe Grüße
    Laura

    AntwortenLöschen
  8. Hallo Anna,

    natürlich müssen wir alle mit der Zeit gehen und uns mit Sozialen Medien auseinander setzen. Bis vor ein paar Jahren hatte ich nicht vor WhatsApp zu nutzen. SMS reichen ja.... Allerdings nur, bis man Kinder hat. Alle nötigen Informationen zu den Sportgruppen, zu denen die Kinder so gerne gehen, erhält man nur in den Gruppen per WhatsApp. SMS werden da nicht geschickt. Mittlerweile sind ein paar Jährchen ins Land gezogen. Mir graut es davor, dass meine Tochter immer älter und in spätestens drei Jahren den sozialen Netzwerken ausgeliefert sein wird. Ich kann nur hoffen, dass wir sie dabei begleiten dürfen und sie damit vernünftig umgeht.
    Liebe Grüße
    Nicole

    AntwortenLöschen
  9. Hallo,

    mir ist Social Media über weiter Strecken viel viel zu persönlich. Ich benutze SM auch nur sporadisch und ärgere mich jedes Mal, wenn ich mich in eine Diskussion habe hineinziehen lassen.
    LG, Melanie R.

    AntwortenLöschen
  10. Hallo,

    danke für den tollen Beitrag! Ich finde Social Media prinzipiell schon sehr wichtig und denke, dass das ganze auch viele positive Seiten hat... ich muss aber auch sagen, dass mir leider recht häufig der Ton nicht gefällt und ich mir wünschen würde, dass man die anderen Personen einfach mehr respektiert.

    LG (Tiffi20001@gmx.de)

    AntwortenLöschen

Back to Top