Gedanken über das Bloggen und die Individualität


Jeder, der einen Blog eröffnet, einen Instagramaccount anlegt, oder sich eine Seite auf Facebook erstellt, wird schnell über die Frage stolpern: Was will ich überhaupt machen und wofür möchte ich stehen?

Schaue ich mir meine alten Postings und Bilder auf Instagram oder Facebook an, erkenne ich mich in ihnen kaum wieder.
Vergleiche ich diese Bilder aus dem letzten Jahr mit dem, was ich heute mache, merke ich immer wieder, dass es eine Entwicklung zu mir selbst war. Der Blog spiegelt so viel von mir wieder und empfand ich meine Postings damals noch als blass und unscheinbar, sind sie jetzt ein Teil dessen, was ich liebe und wer ich bin.
Doch der Weg dorthin kann steinig sein.

Gedanken kommen und gehen.

Man steht vor der Frage: Was will ich eigentlich überhaupt machen? Bücher, Rezensionen und Co? Oder soll es mehr Lifestyle sein? Möchte ich vielleicht doch lieber über... Mode...bloggen?
Bei manchen Blogs habe ich den Eindruck, dass sie versuchen, von allem ein bisschen, aber nichts so richtig anbieten zu wollen und das auf so vielen Plattformen wie möglich.
Hier ein Modebeitrag, achso das Buch lese ich gerade und schaut mal ich glaube das ist das Pferd unserer Nachbarn, das ich bald reiten darf.
Nun, Gedanken und Vielfalt ist eine gute Idee, doch sollte ein Blog auch eine gewisse Struktur aufweisen. Damit meine ich nicht, dass ihr jetzt nur noch Montags über Mode und nur noch Dienstags über Bücher schreiben solltet, aber ein Blog sollte schon eine klare Tendenz aufweisen, damit man als Leser weiß, worauf man sich einlässt.
Geht es nur um Bücher, oder finden auch andere Themen Erwähnung, wenn ja, welche?
Nicht jeder Gedanke, den man hat, muss wirklich in einem Beitrag erwähnt werden: Guckt, mal, ich glaube, ich habe hier das drölftausendste Buch gekauft (wohl gemerkt jedes gekaufte Buch in einem einzelnen Post...), ist genauso spannend wie das zehnte Käsebrot an diesem Tag.
Das Internet ist kein Tagebuch - das Internet vergisst nie und ist auch nicht privat.
Nicht alles muss also ins Netz und nicht jeder Gedanke gehört auch dort hinein. Ansonsten kann es schnell passieren, dass man in der Flut an Bloggern einfach mitgerissen wird.


Welche Plattformen sprechen mich an?

Oh, und lasst euch eines sagen, selbst jetzt nach zwei Jahren, weiß ich immer noch nicht, welche Plattform wirklich meine liebste ist. Ich bin super gerne auf Facebook unterwegs, aber auch auf Instagram und vor allem stundenlang auf Youtube.
Bilder bewundern, Posts lesen und Videos schauen, das ist wohl mein Alltag.
Oft sehe ich Dinge, die mich begeistern und dann wiederum fallen mir Bilder auf, bei denen die Accounts irgendwie alle gleich aussehen.
Für mich vor allem auf Instagram eine Massenabfertigung. Fotos, die alle gleich aussehen, weil nicht ein Mal die Deko bewegt, sondern nur das Buch gewechselt wurde. Und dann am besten mit Bildern in der Story: Ich weiß gar nicht, wieso mein Feed nicht so ankommt. Hm, vielleicht, weil man sieht, dass du keinen großen Spaß daran hast, oder einfach nur Fotos machst, weil du musst?
Das A und O ist wirklich die Plattform zu finden, auf der man gerne unterwegs ist, denn das zeigt sich auch in Posts und Fotos - wie ich finde.
Und habt ihr mal keine Lust, dann lasst es. Ich persönlich sehe sofort, ob jemand mit sich und dem Stil im Reinen ist, oder nicht.Und vor allem: Hört bitte auf mit den Jammerposts. Die Zahlen steigen nicht, indem ihr versucht, alle Plattformen abzudecken, sondern indem ihr aktiv seid und Spaß an dem habt, was ihr macht. Es hilft übrigens auch nicht, sich darüber zehntausend Mal zu beschweren, dass alles bergab ginge, oder die Zahlen und Kommentare fehlen, niemand die Seite besucht, oder oder. Jammern kann schnell ein negatives Bild auf den Blog und den Blogger werfen. Vielmehr gilt es herauszufinden: WARUM. Manchmal sind die Dinge banal wie einfach: Manchmal merkt man diesen Frust auch als Leser oder Betrachter eines Bildes.
Und habt ihr keinen Spaß, wechselt vielleicht die Plattform und erfindet euch neu.
Bei mir war vor kurzem eine extreme Instagramflaute, die ich bereits im Post mit der Selbstkritik angesprochen habe. Danach habe ich mich vermehrt auf Facebook konzentriert, wieder mehr auf dem Blog gepostet und der Spaß kam wieder. Manchmal sind die Veränderungen das, was man am wenigsten schätzt, aber die größte Wirkung erzielt.


Den Stil finden

Klingt vielleicht erstmal banal, ist es aber nicht. Letztes Jahr habe ich noch gesagt: weiß? Oh Gott, ne. Hör mir uff. Ich mag kein weiß als Unterlage... nun ja. Meinungen ändern sich.
Wie lange hab ich gebraucht, um zu verstehen wer ich wirklich bin und was ich im Internet von mir dort sehen möchte.
Man sollte sich immer bewusst sein, dass auf den Hypes mitschwimmen zwar schön ist und auch Aktionen vielleicht kurze Aufmerksamkeit bringen, wer sich aber nicht individuell durch seinen Stil abhebt, ist schnell wieder in Vergessenheit geraten.
Weiße Untergründe sind keine Seltenheit. Es kommt nur ganz darauf an, was man daraus macht. Personalisieren und Individualisieren sind hier zwei Schlagworte, die genannt werden sollten.
Mögt ihr lieber Farbe? Dunkle Töne oder seid ihr minimalistisch? Holt euch Anregungen bei anderen und damit meine ich nicht kopieren, sondern findet für euch Elemente, die ihr schön findet.

Das auf den Bildern sind tatsächlich meine Anfänge. Ich habe ausprobiert, mich ausgelebt und irgendwann gemerkt, was mir wirklich liegt. Ich bin kein Mensch für bunte Farben. Tage ich doch selber auch eher gedeckte und dunkle Töne.... oh, und weiß! Irgendwann habe ich auch das gemerkt, habe mir Inspirationen von anderen Bloggern und Instagramern geholt, mich auf die Findungsphase begeben und irgendwann gemerkt, was mir wirklich liegt.
Ich möchte nicht, dass mein Feed akkurat zusammenpasst, denn das bin nicht ich. Ich mag den weißen Hintergrund, es darf aber auch gerne mal einer mit meinem Bücherregal sein, oder Holz.
Ja, inzwischen kann ich sagen, dass mein Feed zu mir passt. Die Kreativität, die mir so wichtig war, konnte ich unterbringen und auch ansonsten habe ich immer mehr zu meinem Stil gefunden.
Das A und O: Probiert euch aus und seid euch nicht zu schade, auch mal "daneben" zu greifen. Nur mit Übung entwickelt man irgendwann wirklich den Blick dafür. Oh, und sucht euch DEKOOO, an der ihr auch Spaß habt und die euch gefällt. Ich mag echte Blumen zwar lieber, aber die kann man auf Fotos nicht unbedingt gut bewegen, ich habe mir drei Laken damit versaut....
Seid lieber individuell und macht das, worauf ihr Lust habt, anstatt nachher irgendwas abzuliefern, was nur vom halben Herzen kommt. Auch das sieht man irgendwann. Und wenn ihr zehn Bilder von draußen postet, oder 10 Bilder mit einem Buch auf einem Laken, ja, dann ist es halt so, oder ihr Lust habt euch mit dem Buch zu inszenieren, ja, dann tut es! Lebt euch aus. Auch ich wusste anfangs nicht, wie ich das Design mit einbeziehen kann, inzwischen habe ich meinen Weg gefunden und sogar ein Gewerbe angemeldet... so schnell kann es manchmal gehen.
Mein Feed passt auch nicht 100% überall zusammen und manchmal sind Bilder untereinander, die die gleiche Auswahl an Deko aufweisen... es ist mir egal. Sobald ich anfange darüber nachzudenken, baut sich irgendwo auch wieder ein Druck auf, den ich persönlich nicht haben will. 
Mein Feed passt zu mir und ebenso meine Storys. Ja, nicht jeder muss es mögen, aber mir ist es wichtig, ein Stück Realität auch im Internet zu zeigen. Ich bin nicht jeden Tag geschminkt, oder habe das spannenste Leben.


Und worüber schreibt man nochmal?

Irgendwie lese ich in letzter Zeit bei manchen Bloggern immer Dinge, die sie selber nicht mal lesen würden:
Hallo, das ist mein neues Buch, ich fand es toll, wie findet ihr es?
... hmhm, ja gut, was soll dich darauf antworten? Ich habe es noch nicht gelesen?
Aber genau das sind dann auch meistens die Leute, die zwei Tage später in irgendeiner Gruppe schreiben: Likerunde? Irgendwie ist meine Reichweite und Interaktionen runtergegangen.
Versteht mich bitte nicht falsch, ich finde manche Likerunden ab und an sogar sinnvoll, nämlich dann, wenn es wirklich um den Blogger geht. Besonders da habe ich einige tolle und aktive Blogger gefunden, denen ich sehr gerne folge. Andererseits, denke ich, löst man mit solchen Runden nicht das eigentliche Problem, was diese Menschen ganz offensichtlich haben:
Sie schreiben zu langweilig.
Sorry, für diese Ausdrucksweise, aber es ist leider so. Wenn mir da jemand ein Buch mit einem verwackelten Bild samt einer Zeile Text vorstellt, fühle ich mich nicht dazu animiert, mir das Ganze irgendwie genauer anzusehen.
Das Input fehlt. Man sollte sich also vorher irgendwie zumindest in etwa überlegen, was man mit dem Bild erreichen will... möchte ich damit überhaupt etwas erreichen, oder soll es nur ein Spaßfoto sein?
Und selbst dann sollte der Text irgendwo zum Bild passen.
Oft lese ich auch Texte zu Aktionen, bei denen die Frage mit fünf Zeilen abgearbeitet werden und dann soll mich das animieren zu kommentieren?... mhm. Irgendwie eher weniger.
Ja, solche Dinge merkt auch ein Leser eines Blogs, dann, wenn es sich nur um einen Post handelt, weil man posten musste und nicht weil man wollte. 
Teilt eure Gedanken zu Themen mit, stellt Bücher vor, aber verstellt euch nicht. Schreibt so wie ihr immer schreibt. Es gibt Leute, die in der Realität die Ernsthaftigkeit in Person sind und dann versuchen im Internet den coolen und lässigen raushängen zu lassen - Freunde, auch das merkt man spätestens dann, wenn man euch gegenüber steht. Nicht cool.
Was ich aber noch weniger leiden kann sind Dinge, die ich bereits bei anderen in der Form gesehen habe.
Niemand kann das Rad neu erfinden, das erwartet auch keiner, aber dann sorgt doch bitte dafür, dass es eure Note bekommt. Das geht los mit Designs und hört mit den Postings oder Bildern auf. Copy & Paste sieht niemand gerne.
Wenn euch ein Buch gefällt, dann schreibt das vielleicht nicht so, als würdet ihr eine Dankesrede halten, sondern so, als hätte man wirklich den Eindruck, es hätte euch Spaß gemacht - ja, das Ganze funktioniert sogar "sachlich" sehr gut.
Es sind die kleinen Dinge, die nachher einen Unterschied ausmachen und glaubt  mir, wenn ich sage, dass man auch über das Internet schnell merkt, ob man Spaß hat an dem, was man tut, oder nicht. Und findet vor allem beim Schreiben und bei den Fotos euren Weg und dieser Weg führt manchmal auch erst über Umwege zum Ziel.

Wehe jemand sagt jetzt: Ich hab die Ausrüstung, oder die Deko oder den Blick dafür nicht. Ausreden erfinden kann jeder super, sogar ich. Nur weil man nicht die gleiche Deko hat, wie jemand anderes, sind die eigenen Fotos nicht schlechter, sondern einfach nur anders. Und nur weil die Fotos mit dem Handy gemacht sind und nicht mit der Spiegelrefelex, muss auch das nicht schlechter sein.
Gutes Licht ist das A und O, dann klappt es sogar mit dem Handy und ihr könnt eine Spiegelreflexkamera gut nachgaukeln. Ich weiß wovon ich rede, meine Fotos sind auch zu 90% mit dem Handy gemacht.

Und genau aus diesem Grund finde ich ausprobieren, herausfinden was man selber mag und liebt, so wichtig. Wer seinen Geschmack nicht kennt, seine eigene Note nicht findet, wird leider nachher nur einer von vielen sein, so gemein das auch klingt.
Man muss seinen Weg finden, seine Ideen und Kreativität auch mal ausleben, etwas riskieren.
Hätte ich niemals auf Facebook mit den Titelbildern angefangen, würde ich jetzt vielleicht kein Gewerbe haben und keine Cover machen. Klar, spielt auch der Zeitpunkt und Glück einfach eine Rolle, die richtigen Leute kennen, die auch mit einem Aktionen planen und einen mitziehen usw, aber auch das findet sich mit der Zeit.
Seid also nicht immer zu ungeduldig mit euch selber und lebt euch aus. Es ist euer Blog mit euren Gedanken und euren Ideen und genau diese solltet ihr auch teilen.


Und da ich mich nicht kurz fassen kann, tut es mir jetzt auch nicht leid, dass ihr alles lesen musstet :)


Kommentare

  1. Sehr cool, über etwas ähnliches bzw. über den Instagram-Teil habe ich auch die Tage ein bisschen auf meinem Blog geschrieben :D Und du triffst auch sehr schön mit deinen Tipps, was z.B. Entwicklung eines eigenen Stils angeht. Die Ungeduld kann einem Dinge verleiden, die eigentlich sehr viel Spaß machen könnten, wenn da nicht so oft der Drang nach "muss sofort klappen" und "geht ja nur mit Profiequipment" da wäre. Da kann ein hoher Anspruch sehr hinderlich sein, wenn man sich selbst keine baby steps erlaubt, sondern gleich versucht, mit Sieben-Meilen-Stiefel vorzurasen.

    AntwortenLöschen
  2. Danke!! Einfach ein richtig toller Beitrag.
    Ich finde die persönliche Note wahnsinnig wichtig.
    Auch finde ich, dass man recht schnell merkt ob es eine gibt oder ob der Blogger nur des Bloggens willens bloggt. What ever.
    Ich liebe dich für deine Kreativität und deine Selbstreflexion.
    Auch, wenn du manchmal seeehr kritisch dir selbst gegenüber bist :) :-*
    Aber auch das treibt natürlich an. Du bist toll!!
    Und Wahnsinn, was für eine Entwicklung du bei den Fotos gemacht hast.
    Ich finde daran sieht man das echt immer am besten.
    Wenn manch einer alte Rezensionen raus kramt, zB zwecks Verlinkung, kriege ich die Krise wenn ich die Fotos sehe haha. Aber ist doch schön, man ist im Prozess und der ist sogar sichtbar.

    AntwortenLöschen

Back to Top