Von Social Media und Co. während der Lesezeit

September 14, 2016


Mit einem Kopf voller Ideen und Gedanken sitze ich vor meinem Stapel ungelesener Bücher, oder sollte ich lieber Regal ungelesener Bücher sagen? Welches Buch lese ich wohl als nächstes? Ich horche in mich hinein, doch nichts, rein gar nichts ist zu hören. In mir ist alles still.
Doch ich höre sie. Die kleine sarkastische Stimme, die ich immer so schön zu verdrängen suche.

Warum guckst du dir deine Bücher überhaupt an? Du hast in fünf Minuten eh wieder das Handy in der Hand, denkst an irgendwelche Fotoideen, oder bist auf Instagram unterwegs.


Genervt schiebe ich sie dahin zurück wo sie hergekommen ist, in mein Unterbewusstsein. Eigentlich weiß ich, dass ich einfach mal lesen sollte, ohne das Handy parallel neben mir liegen zu haben.
Ich bin aber sehr gut im selbst belügen. Wenn mein Handy nicht da ist, dann habe ich keine Uhr ergo: Ich weiß nicht wie spät es ist. Lüge. Ich besitze eine Armbanduhr, die ich jedoch nie benutze, außer zu Prüfungsphasen in der Uni...
Manch einer meiner Freunde würde wohl auf die Frage, ohne was Anna nicht leben könnte, Wlan oder Handy antworten. Das Traurige daran ist, dass sie irgendwie recht haben.
Doch die Liste meiner To-Dos ist lang, auch wenn nicht dringend. Alles möchte ich sofort erledigt haben, selbst wenn das manchmal halt nicht geht. Parallel zum Lesen denke ich also immer im Unterbewussten darüber nach, was ich danach noch machen muss. Das Titelbild muss noch fertig werden, da die Visitenkarten, auch und nicht zu vergessen das neue Bild für die Facebookseite.
Lauter unwichtige Dinge, die mich in dem Moment jedoch nicht mehr loslassen.
Unruhig rutschte ich auf dem Stuhl umher, gucke alle fünf Minuten aufs Handy, um zu schauen wie viel Zeit davongelaufen ist. Um 16 Uhr gehe ich aber rein und dann...
Habe ich es mal geschafft, mich komplett mit einem Buch zu verbuddeln, meldet sich eine innere Stimme, die mich an meine Social Media Aktivitäten erinnert.
Fahrig greife ich zum Handy, das Buch ist förmlich vom Schoss gerutscht und aufgeschlagen liegengeblieben.
Was gibts bei Whatsapp Neues in den Büchergruppen? Wer hat mein Foto auf Instagram geliked und wie steht es um die Kommentare auf Facebook? Habe ich das durchgeschaut, erinnert mich mein innerstes ganz persönliches Memo daran, dass auch andere Blogger etwas Neues gepostet haben könnten.
Also werden "mal eben kurz" die Bloggerkollegen gestalked, Likes verteilt, Kommentare gepostet und Nachrichten beantwortet.

Wolltest du nicht eigentlich lesen? Meldet sich da eine Stimme aus dem Off. Ja, das wollte ich, aber...
Dieses kleine Aber ist genau das, was mir in letzter Zeit den Lesespaß genommen hat. Den ich mir selbst genommen habe durch meine innere Unruhe, irgendwas zu verpassen. Aus "mal eben kurz" werden schnell drei Stunden. Manchmal sitze ich neidisch vor dem Handy und frage mich, woher alle diese wundervollen und kreativen Ideen für Blogeinträge und lustige Sprüche oder tolle Fotos nehmen.
Was mach ich in diesem Verhältnis? Titelbilder basteln und Bilder, die irgendwie alle einen Stil haben. Kann ich nicht aus meiner Haut? Kann ich nicht auch mal alles umkrempeln?
Und dann gibt es Leute wie Norman oder Nancy, die einem einfach freie Hand lassen, Ideen liefern und sagen, tob dich aus. 
Mit einem Mal ist jedes Buch uninteressant geworden. Ich kann das machen, worauf ich gerade wirklich richtig Lust habe. Kreativ sein und nicht nur still in meiner Ecke sitzen und ein Buch lesen.
Doch auch das Gebastel, so sage ich mir selbst, soll doch unbedingt diese Woche noch fertig sein. Ich sitze vor dem PC, bastel und gucke auf ein Mal auf die Uhr. Aus 16 Uhr, ist 18 (20) Uhr geworden.
Seltsamerweise habe ich dort keine Konzentrationsprobleme. Keine Probleme, das Internet und das Handy einfach sich selbst zu überlassen und genau das zu machen, was ich machen will. Das innere Memo ist still. Ich horche in mich hinein, das Einzige was ich höre ist: Du musst noch zwei Titelbilder basteln und kein: Wie viel Zeit ist schon vergangen, seltsam oder? 

Warum gelingt mir das nicht auch beim Lesen? Ich liebe lesen. Wieso kann ich mich dann nicht auch wie jeder andere einfach nur... lesen... das, was alle anderen auch stundenweise machen können, ja gefühlt sogar wochenweise?

Ich habe mich ab heute dazu entschlossen mindestens eine Stunde am Tag das Handy einfach mal irgendwo anders zu lassen, als bei mir im Raum. Oh man, während ich das so schreibe, klinge ich wie eine Drogensüchtige. Wobei mein Handy das ja genaugenommen ist. Ich setze mich nur selbst auf Entzug, denn was beim Basteln klappt, muss ja auch beim Lesen klappen.
Vielleicht liegt es auch daran, dass ich am PC sitze und theoretisch immer zu Facebook und Co könnte, es aber einfach nicht möchte, weil ich mich nicht davon abhalten muss.
Wie damals, als die Eltern sagten, das machst du jetzt aber nicht und genau das wollte man dann aber machen.
Setze ich mich selbst zu sehr unter Druck? Zwinge ich mich zu viel und ist mein Handy quasi mein Ersatzgehirn?
Ich habe für mich nun beschlossen, es wirklich einfach mal mit weit weg legen zu probieren. Vielleicht so, dass ich könnte, wenn ich wollte, aber nicht direkt in Versuchung gelange....

Wie handhabt ihr das?♥

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2 Kommentare

  1. Dein Text beschreibt zu 90% das gleiche Problem was ich habe.
    Immer nur mal kurz. ��
    Auch abends wenn ich mal endlich meine Lesezeit habe, ist es immer wieder dieses, ganz kurz mal schauen was es neues gibt.
    Oh ich könnte ein neues Bild bearbeiten und vorbereiten. Ach noch hie ein Foto machen und und und. Dann ist es 23.00Uhr.
    Alle schlafen und das Buch liegt immer noch unangetastet neben mir.
    Toller Beitrag.

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  2. Hallo Anna =)
    Als erstes ein großes Lob! Dein Blog ist wirklich schön geworden =)
    Und nun zu diesem Post. =)
    Mir geht es ganz oft genauso!... Ich denke mir "Nun lese ich"...
    Tja und dann kommt diese kleine Stimme, die mir sagt: "Du wolltest doch noch Bilder machen oder musst du nicht noch die Rezi schreiben? Ein neuer Blogpost wäre auch mal wieder fällig und was schreiben meine Freunde gerade so bei whatsapp?"
    Du siehst also, du bist damit nicht alleine =)

    Ich möchte mir jetzt fürs Wochenende z.B. vornehmen einfach mal das Handy für 2-3 Stunden weg zu packen. Und dann wird hoffentlich gelesen =) Ich habe wirklich das Gefühl, ich bin ein bisschen abhängig ^^

    Liebe Grüße
    Anni

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